Gärtnertagebuch

Wolfsmilch oder Bienenzucker?

Paul Weinzerl

Die Wolfsmilcharten sind in den Gärten leider meist wenig vertreten, obwohl die Gattung mit über 2000, manche Quellen nennen auch 5000 Arten, die Zweitgrößte der Blütenpflanzen ist. Als Zimmerpflanzen erfreuen sich der Weihnachtsstern sowie etliche Sukkulente Arten wie der robuste Christusdorn stetiger Beliebtheit. In Gärten findet man eher selten Arten wie Vielfarben-, Mittelmeer, oder Mandelblättrige Wolfsmilch. Auch die abgebildete wird gelegentlich gepflanzt.

Interessant ist der Blütenbau der Wolfsmilcharten. Die echte Blüte ist extrem reduziert, entweder ein Staubblatt oder ein Fruchtknoten mit Narbe, das war’s.  Mehrere Blüten sind in eine Struktur namens Cyathium, am Bild in der Mitte des Blütenstandes gut zu sehen, eingebettet. Um diese können 2 farbige Tragblätter und / oder ebenfalls auffällig gefärbte Laubblätter die Funktion von Blütenblättern übernehmen. Die werden bei der abgebildeten Walzen- Wolfsmilch später im Frühling noch leuchtend gelb.

Trotz dieser Reduktionen produzieren alle Wolsmilcharten reichlich süßen Nektar aus Drüsen am Cyathium. Das und die oft sehr frühe und Lange Blütezeit macht Arten wie die Walzen-Wolfsmilch zu regelrechten Insektentankstellen. Würde man sich eher auf die Stärken dieser Pflanzen konzentrieren müsste man sie eigentlich Bienenzucker und nicht Wolfsmilch nennen.

Etwas Vorsicht ist aber doch geboten, der namensgebende, giftige Milchsaft kann je nach Art hautreizend sein und sollte auf keinen Fall ins Auge gelangen.