Gärtnertagebuch

Wildpflanzen im Garten

Paul Weinzerl

Für viele sind Wildpflanzen im Garten nur etwas störendes, Unkraut sozusagen. Vorurteile wie „Das blüht ja nicht schön!“ oder „Das wächst dann alles zu!“ sind leider weit verbreitet. Zugegeben, es gibt wuchernde Wildpflanzen und es gibt Pflanzen, die keine offensichtliche Schönheit zeigen, aber es gibt unter den heimischen Gewächsen auch prächtige, elegante und wirklich gartenwürdige Vertreter. Der Blaurote Steinsame (Aegonychon purpurocaeruleum, Syn.: Buglossoides purpurocaerulea, Lithospermum purpurocaeruleum) im Kletterpflanzengarten zeigt das besonders eindrucksvoll. Er ist eine heimische Wildpflanze und kann zurzeit in seiner Farbwirkung mit jeder hochgezüchteten Prachtstaude mithalten. Daneben wird er auch von unzähligen Bienen besucht, die seinen Nektar und Pollen ernten. Auch bei Wildpflanzen gilt: „Die richtige Pflanze am richtigen Ort“. Der Steinsame ist zum Beispiel ideal als Bodendecker für große, trockene Flächen. Hier bildet er einen langlebigen, pflegeleichten Teppich, der kaum Beikräuter aufkommen lässt. In der klassischen Staudenrabatte wäre er fehl am Platz und würde seine Nachbarn bedrängen. Andersrum wäre es nicht sinnvoll ein edles Gewächs wie die Türkenbundlilie einfach in den trockenen Schatten zu pflanzen, denn die kann nur an einem sonnigen Platz mit gutem lockerem Boden und gelegentlicher Bewässerung ihre volle Pracht zeigen. Wir denken nicht in Kategorien wie Wild- und Prachtstauden. Für uns zählen die Eigenschaften der einzelnen Pflanze, egal ob sie der angrenzenden Wiese, dem Bergland Südafrikas oder dem Züchtungsprogramm einer Holländischen Gärtnerei entstammt. Wichtig ist, dass sie an dem angedachten Platz gut gedeiht und ihren Zweck, sei es Farbe, Duft, Struktur oder Bodenbedeckung in die Gärten zu bringen, erfüllt. Da heimische Wildpflanzen dies oft sehr gut können, haben mit der Zeit erstaunlich viele Wildarten den Weg in unsere Gärten gefunden und tragen so auch zur Bereicherung der ökologischen Vielfalt bei.