Gärtnertagebuch

Weiden, nicht nur für den Osterstrauß

Susanne Leeb

Bei Weiden im Garten denkt man zuerst einmal an Kätzchen und Trauerweiden, aber die Gattung hat viel mehr zu bieten. Weiden gibt es in allen Größen: Die Kleinsten werden nur wenige Zentimeter hoch. Die meisten sind Sträucher, größere Bäume sind eher die Ausnahme. Auch trägt nicht jede Weide die bekannten Kätzchen, nur männliche Pflanzen einiger Arten schmücken sich vor dem Laubaustrieb mit den auffälligen Blütenständen. Andere sind wegen ihres Laubes oder bunter Winteräste interessant. Gemeinsam ist ihnen nur die Vorliebe für vollsonnige Standorte. Einige Arten vertragen zwar sehr nasse Böden, die meisten sind aber auch mit trockeneren Plätzen zufrieden. Alpine Zwergarten vertragen hingegen keine stehende Nässe und einige Arten wie die Rosmarinweide kommen sogar mit trockenem Schotter bestens klar. Der ökologische Wert der Weiden wird oft unterschätzt: Das Laub ernährt zahlreiche Insektenarten, unter anderem den hübschen Schillerfalter. In den angemorschten Stämmen alter Weiden finden viele Tiere Nahrung und natürliche Höhlen, die gerne als Nistplätze genutzt werden. Frühblühende Weidenarten sind die einzigen vogelbestäubten Pflanzen Europas. Die Blüte der Käzchenweide fällt mit der Rückkehr des Zilpzalps aus Afrika zusammen. Dieser kleine Vogel trinkt den Nektar und bestäubt dabei die Blüten, auch wenn es für Insekten noch viel zu kalt ist. Auch andere Vogelarten wie Meisen werden an den Kätzchen beobachtet. Natürlich kommen auch Bienen, Hummeln und Schmetterlinge nicht zu kurz. An die Tropen erinnert noch eine Besonderheit alter Weidenbäume: Hier wachsen öfter als auf allen andern europäischen Baumarten sogenannte Aufsitzerpflanzen oder Epiphyten. Moose, Farne, Stauden und sogar Sträucher, wie Holunder oder die wilde Stachelbeere, finden hier einen luftigen Lebensraum.