Gärtnertagebuch

Warum Doldenblütler in jeden Garten gehören

Susanne Leeb

Kaum eine Pflanzengruppe ist in unseren Ziergärten so unterrepräsentiert wie die Doldenblütler. Im Nutzgarten dagegen sind sie mit Kräutern wie Fenchel, Petersilie, Kümmel und Koriander sowie etlichen Wurzel- und Stängelgemüsen wie Karotte, Sellerie und Pastinake reichlich vertreten.

Schon der Vorreiter der modernen Gartengestaltung Karl Förster hat in seinen Büchern in seiner unverwechselbaren Art über die Naturhaftigkeit der Doldengewächse sinniert. Da Ihm nur wenige meist kurzlebige europäische Wildarten zur Verfügung standen, verortete er die Dolden in den von ihm erfundenen „Wildnisgarten“. Auch heute noch passen sie mit ihrem natürlichen Charme perfekt in naturnahe Gartengestaltungen. Jedoch sind in den letzten Jahren so viele neue Arten und Sorten dazugekommen, dass sich Doldenblütler für jeden Gartenstil finden lassen.

Das Spektrum reicht von Polsterstauden über Pflanzen, die sich perfekt in Staudenbeete einfügen bis zu meterhohen Riesen mit architektonischer Wirkung. Genauso vielfältig sind auch die Standortansprüche der Doldenblütler. Vom Teichufer über schattige Waldgärten bis zu trockenen Kiesbeeten fühlen sie sich wohl. Je trockener die Bedingungen sind, desto feiner ist das Laub der dort wachsenden Arten gefiedert. Ihre meist weißen, seltener grün, blau oder auch rosa gefärbten Blüten sind oft in einer schirmförmigen Dolde angeordnet, manchmal auch in kompakten Köpfen vereint, dann oft von farbigen Tragblättern umgeben wie bei den Edeldisteln oder der Sterndolde.

Allen gemeinsam ist der hohe ökologische Wert. Nektar und Pollen werden reichlich gebildet und sind gut zugänglich für die Insektenwelt, an ihrem Laub fressen die Raupen etlicher Schmetterlingsarten wie die des Schwalbenschwanzfalters und ihre fettreichen Samen sind eine wichtige Nahrungsquelle für Singvögel. Selbst die abgestorbenen hohlen Stängel dienen Wildbienen als Brutplatz oder Nützlingen als Überwinterungsquartier. Echte Förderer der Artenvielfalt also.

Wahrscheinlich haben sie genauso wie die Distelarten nur deshalb nicht öfter ihren Weg in die Gärten gefunden, weil es unter ihnen einige wenige ausbreitungsfreudige „Unkräuter“ wie den Giersch gibt, die gleich die ganze Familie in Verruf bringen. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, die meisten arten verhalten sich friedlich.