Gärtnertagebuch

Relikt aus vergangenen Zeiten

Susanne Leeb

Der Felsenteller, botanisch Ramonda myconii, stammt aus den Pyrenäen. Dort hat die Verwandte des als Zimmerpflanze beliebten Usambaraveilchens sämtliche Eiszeiten überlebt. Sie ist damit ein letzter Rest der artenreichen, subtropischen Flora, welche im Tertiär ganz Mitteleuropa bedeckte. Die Staude, welche nur in nahezu senkrechten, nordseitigen Fugen und Ritzen gedeiht, hat übrigens noch eine bemerkenswerte Eigenschaft: Wie die bekanntere Rose von Jericho gehört sie zu den sogenannten Auferstehungspflanzen. Bei Trockenheit kann die Pflanze bis zu 70% ihres Wassers verlieren, das entspricht in etwa dem Wassergehalt von Heu. Dabei rollen sich die Blätter zusammen, sodass die haarige Unterseite das Wachstumszentrum vor zu extremen Bedingungen schützt. Beim nächsten Regen entfaltet sich die Pflanze wieder und wächst weiter als wäre nichts geschehen.