Gärtnertagebuch

Im Zeichen des Klimawandels

Paul Weinzerl

Neue Pflanzen für die Gärten. Das Wetter des heurigen Frühlings lässt es uns nicht wirklich glauben, aber der Klimawandel ist da und er hat Auswirkungen auf unsere Gärten.

Extremtemperaturen sind auch für diesen Sommer wieder zu erwarten und wir werden auch zukünftig mit Wetterkapriolen zu kämpfen haben. Viele unserer bekannten Gartenpflanzen können da nicht mehr mithalten. Der Rittersporn zum Beispiel verschwindet im Flachland zusehends aus den Gärten. Phlox und Monarden werden immer mehr von Mehltau befallen und ihnen könnte das Schicksal des Rittersporn „blühen“.

Wer aber sind die Gewinner? Was werden wir in Zukunft pflanzen? Diese Fragen beschäftigt uns Gärtner auf der GARTEN TULLN. Mit einem ständig kleiner werdenden Sortiment wollen wir uns nicht abfinden. Pflanzen aus Gegenden am Rande von Trockengebieten, aus den mediterranen Bergen und aus Steppengebieten sind starke Schwankungen gewöhnt und könnten unsere Schaugärten weiter bereichern. Ein Beispiel dafür ist die Cistrose. Sie galt vor einem Jahrzehnt noch als zu empfindlich für unser Klima. Heutzutage kommt sie bei uns gut zurecht. Lange Frostperioden mag sie nicht, aber tiefe Temperaturen sind für ihre meisten Unterarten genauso wenig ein Problem wie Hitze und Trockenheit im Sommer. Aus den circa 20 Wildarten der Gattung Cistus wurden in ihrer mediterranen Heimat unzählige Sorten gezüchtet, die sich sowohl in Wuchs, Größe und Farbe der Blüten als auch in Größe und Duft ihres Laubes unterscheiden. Allen gemein ist die Blütezeit von Frühling bis in den Sommer, ihre Vorliebe für sonnige Standorte und sogenannte „schlechte“, trockene Böden.

Auf der GARTEN TULLN haben wir nach erfolgreichen Tests mit einigen Sorten heuer ca. 15 Arten und Sorten ausgepflanzt. Die meisten von ihnen sind in den heißen, trockenen Schotterstreifen zwischen den Seerosenteichen und dem Seminarzentrum zu finden. Wer dort überlebt, kann getrost als klimawandeltauglich bezeichnet werden.