Gärtnertagebuch

Herbst im Frühling?

Paul Weinzerl

Den Satz „Ich will nur Immergrüne, die machen keinen Mist“ hört man als Gärtner leider allzu oft. Daß dies ein Irrglaube ist, beweist das Foto vom Boden unter einer Glanzmispel (Photinia fraserii), welche ihr Laub vor dem Abwurf noch rot färbt und damit herbstliche Assoziationen hervorruft. Immergrüne Sträucher und Bäume behalten ihre Blätter nicht ewig. Meist ein oder zwei, selten bis zu drei Jahre. Dann werden auch sie abgeworfen. Das erfolgt meist aber nicht im Herbst sondern im Frühjahr oder Sommer, während sich die neuen Triebe entwickeln. Dann werden die ältesten Blätter beschattet und damit für die Pflanze wertlos. Da das Laub der Immergrünen meist ledrig und von einer wasserabweisenden Wachsschicht überzogen ist, verrottet es nur sehr langsam. Trotzdem kann man es unter den Sträuchern als Mulchschicht liegenlassen. Denn auch wenn es lange dauert, bis sie zu Humus werde: in der Zwischenzeit schützten sie den Boden vor Austrocknung und starken Temperaturschwankungen. Immergrüne Pflanzen werden in unseren Gärten zunehmend wichtig. Durch die schneearmen Winter würde der Garten ohne sie lange Zeit nur in tristem Grau und Braun daliegen. Ihren ökologischen Wert sollte man auch nicht unterschätzen. Sie bieten in den kalten Monaten vor Regen, Kälte und Wind geschützte Plätze, auf welche vor allem sehr kleine Vögel angewiesen sind, um eine lange Winternacht durchzustehen. Viele Arten tragen zudem auch nektarreiche Blüten und Beeren, die eine weitere Hilfe für tierische Gartenbewohner darstellen. Bitte pflanzen Sie aber keinen Kirschlorbeer und gewöhnliche Mahonien (Mahonia aquifolium), denn diesen beiden gefällt es hierzulande zu gut und sie werden in unseren Wäldern bereits zu invasiven Arten.