Gärtnertagebuch

Gelegenheit verpasst?

Paul Weinzerl

Momentan begegnen sie uns fast überall, die Krokusse. Wer jetzt bemerkt, dass diese hübschen Blumen im eigenen Garten fehlen, wird schnell feststellen, dass man die Knollen im Herbst pflanzen muss, damit sie im folgenden Frühling blühen. Gut, man kann sich auch woanders an den bunten Blüten erfreuen, aber wie wäre es jetzt darüber nachzudenken eine „Zwiebelwiese“ anzulegen? Der Krokus ist dafür perfekt geeignet, denn er darf auch schon früh, Ende April, gemäht werden, sofern man mindestens fünf bis sieben Zentimeter hoch schneidet.  
Für die optimale Wirkung bedarf es etwas Planung. Die macht man am besten jetzt, denn zur herbstlichen Pflanzzeit ist es schwer abzuschätzen, wie alles im Frühjahr aussehen wird.
Der Krokus ist kein Einzelgänger. Von den Alpen bis nach Südeuropa bedecken seine Wildformen ganze Bergflanken. Ein natürlicher Effekt entsteht, wenn man viele Knollen einer Art auf großen Flächen pflanzt, 20 bis 50 Stück pro Quadratmeter ist eine gute Faustregel. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge freuen sich natürlich auch über ein so reichhaltiges Nahrungsangebot. Bewährt haben sich sogenannte botanische Krokusse, also Wildarten und deren ursprüngliche Züchtungen. Die sind dauerhaft, anspruchslos und können sich durch Samen vermehren. Gut wirken auch verschiedene Schattierungen der gleichen Farbe oder ca. ein Viertel Andersfarbige, zum Beispiel Weiße zu Blauen. Nur nicht die bunte Mischung, die besteht nämlich aus vielen verschiedenen Arten, blüht nicht gleichzeitig und wirkt alles andere als natürlich. Man streut die Knollen einfach auf den kurz gemähten Rasen und pflanzt, wohin sie gefallen sind. Es besteht kein Zwang genau zu sein, die Natur kennt keine regelmäßigen Pflanzabstände. Wer Wege über den Rasen braucht sollte die im Vorhinein festlegen und freilassen. So gibt es später keinen Frust wegen zertretener Blüten.
Also, nichts verpasst, Notizblock und Katalog zur Hand und ab in den Garten!