Gärtnertagebuch

Freund statt Feind

Paul Weinzerl

So sehr uns die bunte Pracht der Herbstfärbung gefällt wenn sie noch an den Bäumen und Sträuchern hängt, so lästig ist sie vielen Gärtnern sobald sie am Boden liegt. Jedes Blatt wird zum Feind erklärt. Mit Rechen, Laubsauger und Müllsacken wird in die Schlacht gezogen, der Garten geputzt bis die nackte Erde glänzt. In Fachkreisen wird dieses Verhalten schon scherzhaft als Phyllophobie bezeichnet - die Angst vor dem Laub.

Es ist aber auch eine andere Sicht möglich. Das Laub kann ein wertvoller Rohstoff sein.
Wie wäre es zum Beispiel Laubkompost zu machen? Oder das Laub direkt als Mulch zu verwenden wie hier auf der GARTEN TULLN? Wir bedecken die Baumscheiben im Arboretum jedes Jahr mit einer ca. 20 cm dicken Schicht aus Herbstlaub. Die verrottet langsam, hält den Boden feucht und liefert wertvollen Humus. Außerdem haben unerwünschte Pflanzen keine Chance. Nur die Hartnäckigsten kommen noch durch, sind aber aus dem lockeren Boden, den Würmer und andere Bodenorganismen bald aus dem Laub machen, leicht zu entfernen. Damit der Wind nicht wieder alles verweht, kann man das Laub mit dem Rasenmäher zerkleinern oder einfach mit etwas Rasenschnitt oder Häckselgut überstreuen. Noch ein „Geheimtipp“: man kann, wenn das Laub dann schon etwas verrottet, dunkel und bröselig ist, auch direkt in diese Mullschicht bodendeckende Stauden pflanzen. Diese wachsen dann viel besser an als wenn man sie direkt in die harte Erde zwischen den Baumwurzeln setzt.