Gärtnertagebuch

Fast wie Olive

Paul Weinzerl

– die Schmalblättrige Ölweide. Oft wird man als Gärtner nach Empfehlungen für Bäume gefragt. Zugegeben, jeder hat seine eigenen Lieblinge und es gibt unzählige Arten und Sorten zur Auswahl, aber einige sind so perfekte Gartenbäume, dass man sie unbedingt erwähnen muss. Für kleine Gärten empfehlen wir zum Beispiel gerne die Schmalblättrige Ölweide, Elaeagnus angustifolia. Eine Verwandte der Olive, die sofort Assoziationen an Italien oder Griechenland weckt, aber aus Osteuropa stammt und bis –30°C frosthart ist. Sie wächst schnell zu einem kleinen, meist mehrstämmigen Baum heran. Den ganzen Sommer über trägt sie silbrig weißes Laub, das einen lichten Schatten wirft. Sie kommt mit jedem Boden zurecht und ist extrem trockenheits- und hitzeverträglich. Nur nasse Standorte und Schatten mag sie gar nicht. Zurzeit beginnt bei den Pflanzen im Portugiesischen Garten die Blüte: klein, gelb und recht versteckt unter den Blättern. Aber auffällig! Die Blüten verströmen nämlich einen kräftigen, süßen Duft mit leichter Zitrusnote. Der ist in der Nähe immer wahrnehmbar und kann an einem warmen Abend schon mal den ganzen Garten füllen. Tagsüber gehört der Baum auch zu den Hörbaren, er summt nur so von Bienen. Die Früchte, die optisch an kleine Oliven erinnern, sind zwar essbar, aber mehlig und nicht schmackhaft. Da sie meist nur als strauchförmige Pflanze im Handel ist, muss man sich selbst um die Erziehung zum Baum kümmern. Einfach nach und nach die unteren Äste entfernen. Wenn der Stamm nicht gerade wächst, gut so, denn je knorriger desto ähnlicher dem Olivenbaum. In Büchern liest man leider oft, dass die Schmalblättrige Ölweide Ausläufer treibt. Das stimmt nicht, sondern beruht wahrscheinlich auf der Verwechslung mit der Silber-Ölweide, einer trotz des klingenden Namens weniger silbernen, aber sehr wuchernden Art.