Gärtnertagebuch

Eisblumen mal anders

Paul Weinzerl

Die zarten Gebilde, die der Frost auf Glasscheiben zaubert, kennt jeder. Wenige kennen aber die Eisblüten, die an den Stängeln mancher Pflanzenarten entstehen.
Besonders auffällig und regelmäßig sieht man das an der Isodon rubescens, einem Lippenblütler aus Ostasien, auch bekannt unter dem Namen „Dong Ling Cao“. Klingt komisch, ist es auch, denn auf chinesisch heißt die Pflanze wieder ganz anders, nämlich „sui mi ya“. Dong Ling Cao ist wohl der Name der Droge, denn in der traditionellen chinesischen Medizin ist sie eine der ganz Großen. Als wäre das nicht verwirrend genug, wird die Pflanze oft unter Plectranthus oder Rabtosia geführt. So ein Namenswirrwarr!
Bei uns ist die Pflanze eine Staude, in südlichen Breiten wächst sie strauchig. Spät im Herbst schmückt sie sich mit zahllosen kleinen Blüten in blauviolett. Es scheint, als wolle sie den ganzen Winter so weiter machen, dann kommt der erste stärkere Frost und setzt dem ein Ende. Der kräftige Wurzelstock pumpt aber noch Wasser in die toten Stängel, wo es durch vier Risse austritt und zu diesen filigranen Eisplatten gefriert.