Gärtnertagebuch

Eine Pflanze mit Abfallbehälter

Susanne Leeb

Eine Pflanze mit Abfallbehälter, das Eiskraut. Manche Pflanzen gehen wundersame Wege, um sich an widrige Umstände anzupassen. Wasserspeicherung als Anpassung an Trockenheit ist ja bekannt, das machen Kakteen, Mauerpfeffer und Hauswurz, aber auch etwas weniger offensichtliche Pflanzen mit Zwiebeln, Knollen oder fleischigen Wurzeln. Es kann aber auch noch einen ganz anderen Zweck haben, wie beim Eiskraut, Mesembryanthemum crystallinum. Diese Pflanze stammt von den südafrikanischen Küsten. Wasser gibt es dort zwar meist genug, aber leider ist es salzhaltige Meeresgischt. Solche Mengen an Salz sind für Pflanzen tödlich, da sie es mit dem Wasser zusammen aufnehmen und die Konzentration in der Pflanze dann durch Verdunstung steigt. Nicht so für das Eiskraut. Diese „Wunderpflanze“ verdünnt das aufgenommene Salz nicht nur in den saftigen Blättern, sondern bildet an den Blatt- und Stängeloberflächen auch spezielle Zellen. Diese enthalten nur Flüssigkeit und sind durchsichtig. Da sie im Sonnenlicht wie Eiskristalle glitzern, kam es zum Namen Eiskraut. Ihr einziger Zweck ist, mit für pflanzliche Verhältnisse hochkonzentrierter Salzlösung gefüllt zu werden. Da in diesen Zellen sonst keine Funktionen wie Fotosynthese oder Eiweißproduktion ablaufen, kann das Salz dort nichts schlimmes anrichten. Man könnte also von einem Mistkübel der Pflanze sprechen. Kostet man ein Blatt dieser Pflanze, kann man die Unmengen an Salz die hierin gespeichert werden deutlich schmecken, sogar bei Pflanzen, die auf normalen Böden wachsen. Noch etwas an dieser Pflanze ist eigenartig. Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen, die ihre Samen bei trockenem Wetter entlassen, bleiben die reifen Früchte bleiben des Eiskrauts geschlossen, bis sie von Regen getroffen werden. Das schützt die Samen bis die passenden Bedingungen zur Keimung gegeben sind.