Gärtnertagebuch

Ein mediterraner Winter

Paul Weinzerl

Im Großen und Ganzen war das Wetter bis jetzt so, wie es auch im Mittelmeerraum üblich ist: milde Fröste wechselten sich mit langen milden Perioden ab. Zwar hoffen einige immer noch, dass starke Fröste die Schädlinge reduzieren, jedoch lässt sich hier kein Zusammenhang nachweisen. Ähnlich wie bei den Pflanzen ist es eher so, dass den Insekten und Schnecken ungewöhnlich warmes Wetter im Frühling gefolgt von späten Frostperioden mehr zu schaffen macht als winterliche Kälte. Und was nützt es, wenn keine Laus am Apfelbaum zu finden ist, aber auch die Blüte erfroren ist? Der Vorteil eines solch milden Winters ist, dass durchgeblüht wird. Das sind meist winterannuelle Arten, also einjährige, die im Herbst keimen und mit der Hitze des Sommers schon ihre Samen verstreuen, wie das Stiefmütterchen. Auch viele Pflanzen aus mediterranen Klimazonen wie der Rosmarin oder der Mittelmeerschneeball nutzen in ihrer Heimat die feuchte Zeit des Winters, um ihre Blüten zu entfalten. Das geht natürlich nur, wenn die Knospen nicht schon im Spätsommer oder Herbst der Gartenschere zum Opfer gefallen sind, damit die Pflanze ordentlich buschig aussieht.