Gärtnertagebuch

Das Geheimnis dauerhafter Tulpen

Susanne Leeb

Tulpen

Sie kennen das sicher, Tulpen kommen im Jahr nach dem Pflanzen gut zur Blüte, im zweiten Jahr kommen weniger Blüten und bald nur mehr Blätter. Meist wird die Schuld bei den Mäusen gesucht, die haben ja eine bekannte Vorliebe für die Zwiebeln. Auch, dass man Tulpen über den Sommer aus der Erde nehmen sollte, damit sie ausreifen, wird gerne als Grund angegeben. Um zu verstehen, warum sich Tulpen in unseren Gärten oft schwer tun, muss man einen Blick in ihre Heimat werfen. In den Bergsteppen Westasiens wird das Klima von bitterkalten Wintern und heißen, sehr trockenen Sommern bestimmt. Gute Gründe für die Tulpen, ihre Zwiebel tief in der Erde zu verstecken. Das können schon mal 50 cm sein. Auch in unseren Gärten wollen die Zwiebeln nach unten. Da eine dicke Zwiebel sich schwerer durch den Boden bewegen lässt als eine kleinere, teilt sich diese in mehrere Teile, welche separat in die Tiefe wandern. Das Ergebnis sind die bekannten blütenlosen Blattbüschel. Deshalb tief pflanzen, am besten 20 bis 25cm. Auf den Packungen steht nur eine Mindesttiefe, damit die Zwiebel im nächsten Jahr sicher blüht. Außerdem werden in diesem trockenen Klima über den Sommer Nährstoffe nicht verbraucht oder ausgewaschen, sondern verbleiben im Boden. Wenn die Tulpen im Wachstum sind, stehen diese ihnen daher fast uneingeschränkt zur Verfügung. Daher reichlich düngen, am besten mit organischem Volldünger im Herbst. Und natürlich das Laub nicht abschneiden, das braucht die Pflanze noch solange sie grün ist. Ob man den Samenansatz entfernt oder nicht ist hingegen Geschmackssache. Auf den Feldern der Tulpenbauern wird das zwar gemacht, aber hauptsächlich damit keine unerwünschten Sämlinge zwischen den reinen Sorten auftauchen.