Gärtnertagebuch

Blumen für Frühaufsteher

Paul Weinzerl

Wie bei den Menschen gibt es auch bei Blumen „Nachteulen“ und „Lerchen“. Zu den Letzten gehört die Wegwarte. Sie öffnet die Blüten mit den ersten Strahlen der Morgensonne. Wenn sie allerdings Nachmittags an diesem Beet am Festplatz der GARTEN TULLN vorbeikommen, sehen sie nur mehr verblühte Reste, denn in der Hitze der Mittagszeit haben die Blüten ihren Zweck bereits erfüllt und die Bienen und Schmetterlinge haben ihre Arbeit getan. Die Blüten verwelken dann so schnell wie sie sich geöffnet haben. Am nächsten Tag wiederholt sich dieses Schauspiel und das den ganzen Sommer lang.
Wir finden, dass die Wegwarte, welche nah mit Endivien, Zichorie und Radicchio verwandt ist, auch einen Platz im Staudenbeet verdient hat. Sie blüht nicht nur in himmlischem blau, sondern ist äußerst anspruchslos. Ökologisch gesehen gilt sie als Verdichtungszeiger, das heißt, sie kann mit ihrer tiefreichenden Pfahlwurzel selbst extrem verdichtete Böden wieder lockern und damit für andere Pflanzen wieder geeignete Bedingungen schaffen. Ein Grund mehr sie in den Garten zu holen.